Monday, August 27, 2012

Wesen im Übergang

Der CSD in Dortmund, für den ich das diesjährige Plakat gestaltet habe, war wie immer ein netter Kaffeeklatsch in queerem Ambiente von politisch bis unterhaltsam. Ich habe Plakate signiert, Portraits und Skizzen gezeichnet und die eine oder andere nette Unterhaltung gehabt. Das Wetter hat auch mitgespielt, mal abgesehen von ein paar vereinzelten Tropfen und stellenweise recht heftigen Windböen, die man den Fotos nicht ansieht.
Vielleicht wäre eine etwas fokussiertere Anordnung der Stände noch ein Verbesserungsvorschlag für nächstes Jahr. Mit einer Bühne auf der anderen Seite der Reinoldikirche und einer Standaufstellung, die keiner logischen Ordnung zu folgen schien, wirkten viele der Events und Stände doch etwas verloren zwischen den regulären Marktständen und den shoppenden Samstagnachmittags-Horden, die sich wahrscheinlich fragten, um was für eine Veranstaltung es sich wohl handelte.
Dennoch, auch ohne die Geilheit und den Glitter, wie man es aus Köln gewohnt ist, hatte der Dortmunder CSD einige Highlights zu bieten. Zum Beispiel den Stand der Partei mit dem wunderbaren, unübertrefflichen Slogan Inhalte überwinden.
Ich für meinen Teil hätte den CSD gern unter das Motto Etiketten überwinden gestellt. Im Vorfeld der Plakaterstellung gab es so viel Diskussion über Begriffe wie schwul, lesbisch, trangender oder transient, und ob diese denn nun gerade politisch korrekt oder doch schon wieder überholt sind - dass ich und mein Mann kurzerhand einen Begriff für ALLE geschaffen haben: Wesen im Übergang. Sind wir denn nicht alle Wesen im Übergang?

Mehr Bilder gibt's auf meiner Facebook-Page!

Thursday, August 16, 2012

Ab ins Bett!

Endlich: Bettgeschichten, die Comic-Anthologie bei dem es nur um das eine geht, aber dafür in mehr Varianten als es Vibratoren bei Beate Uhse gibt, ist inzwischen in den Läden.
Ob hetero, homo, bi (brauchen wir diese Kategorien eigentlich noch?), hoch, quer, wild durcheinander, saftig, profan oder mystisch - es ist Alles dabei. Und so auch ich mit meiner Adaption des Europa-Mythos, Raptus, neben vielen anderen deutschen Comic-Künstlern wie Naomi Fern, Reinhard Kleist und Christian Nauck.
Mein Belegexemplar ist wohl noch unterwegs, aber ich werde sicher noch ein paar Worte über dieses schöne Projekt verlieren, wenn ich reingelesen habe.

Hier geht's zum Bettgeschichten-Blog. Einen Blogpost zu meinen Beitrag findet ihr doch auch.

Bettgeschichten findet ihr natürlich auch bei Amazon.

Hier eine Seite aus Raptus:






Wednesday, August 8, 2012

Essen, du Hure Babylon

Essen - die unrheinischste rheinische Stadt, irgendwo auf dem Weg zwischen Dortmund und Düsseldorf, wichtiger zwar als meine neue Heimatstadt Bochum, doch irgendwie immer unbekannt und unzugänglich geblieben - mal abgesehen von ein paar Freunden, die hier wohnen.
Essen war der Schauplatz des Ruhr CSD, und damit am vergangenen Samstag Tummelplatz all jener - von Mauerblümchen bis Glitzertunte - die sich mit den Labels schwul, lesbisch, transgender oder transient identifizieren.*

Und so war auch ich wie vielfach angekündigt am Stand meines Mehr-als-Kumpels-Muttermagazins FRESH mit dabei; signierend, sinnierend und hin und wieder resignierend, wenn der Schlagerlärm von der Bühne (zu zwei Dritteln unerträgliche WDR4-artige Soße, mit der man nicht mal meine Mutter hinterm Herd weglocken könnte) mal wieder meine eigenen Unterhaltung übertönt hat.

Aber schön war's trotzdem. Ich durfte zeichnen und nett plauschen, viele neue Leute kennen lernen und alte Bekanntschaften aufrischen. Dafür lässt man sich auch gern mal von halbnackten rosa Polizisten befummeln.

Auf der Bühne war ich auch noch - irgendwo zwischen der schwulen Ausgabe der Wildecker Herzbuben mit unflätigen Texten und einem Gesangsmutanten, den sie nur aus Jürgen Drews' verdrehten Genen gezüchtet haben können.

Nein, wirklich, ich hatte Spaß, auch wenn ich Vieles an der schwul-lesbisch-transibirischen Welt inzwischen sehr kritisch sehe. Zum Beispiel: Wo sind die Lesben? Tarnen sie sich als Männer? Warum wurden keine Lecktücher verteilt? Und warum muss bei den Schwulen Alles so weichgespült sein? Männer, nehmt euch ein Beispiel an euren lesbischen Schwestern!

Moment! Ganz so schlimm war es nicht. Immerhin gab's noch direkt nebenan den Stand von der BOX (wie die FRESH und EXIT ein Gratis-Magazin, aber mit mehr Ketten und Brustfell) und auch sonst einige hübsche männliche Kerle zu bewundern.

Das Schönste aber am Ruhr CSD Essen war, dass Alles so gelassen und harmlos abging. Gruppensex gab's wenn nur hinter der Bühne und 80jährige Faltenärsche, die wie ledrige an der Sonne Mallorcas getrocknete Pfannkuchen aus den Chaps hängen und in Köln Gang und Gäbe sind, sind mir auch nicht untergekommen. Essen, ich könnte mich an dich gewöhnen.

Der Dortmunder CSD darf kommen.

Hier schon mal eine Skizze, die ich am Stand gezeichnet habe, bis ich ein paar Fotos bekomme:



* Ich bin mir sicher, dass einige dieser Begriffe bis diesen Freitag wieder überholt sind oder als politisch unkorrekt gelten. Aber was weiß ich schon. Transient habe ich zunächst für ein Fremdwort für "Fernfahrer" gehalten.